Seitenspringer

Komödie von Kay Kruppa und Frank Pinkus   4D 5H 1Dek

U: Weyher Theater, 09.10.2020

Wenn man aus einer ganz normalen Pension kurzerhand ein Erotik-Hotel macht, kann das ziemlich schiefgehen. Da kann auch Hotelportier Ewald sich bemühen, für Ordnung zu sorgen – wenn im Hotel mehrere „Seitenspringer“ auftauchen, die sich auf keinen Fall begegnen dürfen, kommt es zu fatalen, urkomischen Situationen...

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Personen:
Ewald, der dreiste Hotelportier, Ende 30
Lina (eigentlich: Evelina) Prick, das (erotische) Zimmermädchen, um die 30
Norbert Stenzel, der (frivole) Zimmerkellner, Mitte 30
Das frisch verheiratete Ehepaar (Zimmer Nr. 1 außerhalb der Bühne):
Vicky Lenz, Anfang 30
Lenny Lenz, Sohn von Nadja und Bernhard, Anfang 30
Die „Seitenspringer“:
Nadja Lenz – geht fremd mit Leo; Mitte 50
Bernhard Lenz – geht fremd mit Stella; um die 60
Stella Brinkmann – geht fremd mit Bernhard; Mitte 40
Leo Brinkmann – geht fremd mit Nadja, Mitte 40

Knisternde Nacht im Erotik-Hotel „Seitenspringer“: Publikum sehen turbulenten Zweiakter als Uraufführung im Weyher Theater Weyhe – Mit einer erotischen Verwechslungskomödie haben die Ensemblemitglieder des Weyher Theaters am Freitagabend ihr Premieren-Publikum grandios unterhalten. Das Stück „Seitenspringer“, die zweite Premiere in der laufenden Spielzeit, enthielt reichlich Zündstoff für Lachsalven und bekam am Ende viel Applaus. Der turbulente Zweiakter aus der Feder von Intendant Kay Kruppa und Dramaturg Frank Pinkus erlebte seine Uraufführung unter der Regie von Thorsten Hamer, der zugleich die Rolle eines dreisten Hotelportiers übernommen hatte. Der Stoff hätte nicht witziger und treffender inszeniert werden können. Zum Gelingen des Abends trug neben der schauspielerischen Leistung der gesamten Crew, auch das von Lisa Kück passend in Szene gesetzte Bühnenambiente bei. Für die (knappen) Kostüme hatte Anika Töbelmann gesorgt. Ort der Handlung: Ein neu eröffnetes Erotik-Hotel. Einst eine brave Pension, die der neue Eigentümer und Erbe in eine Absteige für sexhungrige Paare verwandelt hat. Der Name ist Programm: „Zum Seitensprung“. Das Management in Person von Portier Ewald (Thorsten Hamer) hat das Personal mit der attraktiven Lina (Christina Stephan) um ein kesses Zimmermädchen und mit dem schüchternen Norbert (Christian Hamann) verstärkt. Die neuen Mitarbeiter sollen die Gäste während ihres Aufenthaltes in der Absteige in Schwung und Stimmung bringen. Norbert ist mit seiner Aufgabe als frivoler Kellner allerdings ziemlich überfordert. Bereits am Tag der Eröffnung ist das Drei-Zimmer-Hotel ausgebucht. Um ihre Anonymität zu wahren, haben alle Gäste mit dem Decknamen „Müller“ eingecheckt. Vicky (Isabell Christin Behrendt) und Lenny (Lennert Schrader) werden Hotelpersonal als erste Besucher begrüßt. Beide haben ohne Wissen von Lennys Eltern geheiratet und wollen im Erotik-Hotel jetzt ihre Hochzeitsnacht verbringen, was soweit moralisch nicht zu beanstanden ist. Ganz anders bei den beiden echten Seitenspringer-Paaren: Nadja (Franziska Krumwiede) und Leo (Marc Gelhart) sowie Stella (Inga Jamry) und Bernhard (Hermes Schmid). Im Lauf der Handlung werden die dominant auftretenden Nadja und Stella gegenüber ihren Zimmergenossen auch schon mal handgreiflich und laut, wenn es beim Rendezvous nicht so läuft, wie es sich die Damen vorgestellt haben. Besonders problematisch macht die Situation, dass beide Paare miteinander verheiratet sind. Bloß über Kreuz! Also Nadja mit Bernhard und Stella mit Leo. Dass sie zeitgleich und im selben Hotel das erotische Abenteuer suchen, ist der dramaturgische Garant für viele Momente und Situationen wie sie das Publikum beim Boulevardtheater liebt und erwartet. Was sich noch durch den Umstand verschärft, dass es sich bei Bernhard und Nadja um die Eltern von Lenny handelt. Keines der drei Paare weiß also zunächst von der Anwesenheit der anderen. So entwickelt sich ein Spiel, um die heimlichen Treffen und falschen Identitäten und das allgegenwärtige Risiko, unvermittelt aufzufliegen. Unterdessen hatte das Hotelpersonal alle Mühe, bei sechs Gästen mit demselben Nachnamen den Überblick zu behalten. Welche Frau Müller befindet sich da gerade in welchem Zimmer? Versierte Theaterbesucher ahnten spätestens an dieser Stelle, dass das nicht lange gutgehen kann. Mit der temporeichen und mit nackten Tatsachen gespickten Komödie haben die Autoren Pinkus und Kruppa es erneut geschafft, ein megalustiges Stück für das Weyher Theater zu schreiben, das in die Herzen der Zuschauer trifft. Die tadellose Regiearbeit von Thorsten Hamer trägt ein Übriges dazu bei. Hoch anzurechnen ist es den Theaterleuten, dass sie stets neue Lustspiele präsentieren, die bei einem komödienverwöhnten Zuschauerkreis für die gewünschte Unterhaltung sorgen. Mit dem Stück „Seitenspringer“ ist das in jeder Hinsicht wieder einmal eindrucksvoll gelungen. Aufgrund der Corona-Auflagen durften die 313 Sitzplätze nur zum Teil besetzt werden. Und auch auf der Bühne gab es Einschränkungen für die Körperkontakte. Das Weyher Theater hat das Problem für die Schauspieler aber hervorragend gelöst und geeignete Requisiten geschickt in die Handlung eingebaut, ohne dass sich der Spaß bei Darstellern und Zuschauern verflüchtigt hätte. Im Gegenteil: Zahlreiche Lacher, häufiger Szenenbeifall und ein lang andauernder Schlussapplaus des am Ende stehenden Publikums waren ein wirklich verdienter Lohn und Dank für eine amüsante Vorstellung. Zum Abschied veredelten die Darsteller die Aufführung noch mit einem kleinen choreografischen „Sahnehäubchen“. Seitenspringer Weyher Theater, Kreiszeitung 12.10.2020

Liebesidylle wird zum köstlichen Chaos Das Weyher Theater ist am vergangenen Freitag mit seiner neuen Komödie rund um Turbulenzen im Hotel Zum Seitensprung an den Start gegangen. Das Fazit: einfach gut gemacht. Weyhe. „Ich glaube, wir sind hier falsch“, meinte die prüde Vicky (Isabell Christin Behrendt) zu ihrem frisch angetrauten Ehemann Lenny (Leenert Schrader). Das junge Paar auf Hochzeitsreise landete tatsächlich in einem merkwürdigen Hotel, das eigentlich gar keines war. „Seitenspringer“ heißt die neue Komödie aus der Feder von Intendant Kay Kruppa und Dramaturg Frank Pinkus und brachte am Premierenabend im Weyher Theater am Freitag so einiges an Chaos mit sich. Übrigens nur auf der Bühne, ansonsten ging es sehr zivilisiert zu: Maskenpflicht bis zum Sitzplatz, Desinfektionsständer, ausreichend Abstandsregeln im Zuschauerraum. Zudem waren beide Bars geöffnet, damit sich der Betrieb entzerrte. Was aber im Hotel Zum Seitensprung alles passierte, war wirklich bemerkenswert. Im Mittelpunkt der Geschichte standen nicht nur das bereits erwähnte frisch angetraute Paar, sondern auch Nadja (Franziska Krumwiede) mit Leo (Marc Gelhart) sowie Stella (Inga Jamry) mit Bernhard (Hermes Schmid), alle hatten unter dem Decknamen Müller („Sprüht für Einfallslosigkeit der Gäste“, so der Portier) eingecheckt. „Heute Nacht müllert es ganz schön.“ Doch das war nicht die einzige Kuriosität, die Paare waren in Wirklichkeit anders liiert: Nadja mit Bernhard und Stella mit Leo, seit vier Monaten Nachbarn. Und Nadja und Bernhard waren auch noch Lennys Eltern. Den Machern ist es gelungen, die Handlung durch immer weitere Verstrickungen turbulent auf die Spitze zu treiben. Die Dialoge waren spritzig und voller Pointen, die Situationskomik kaum zu übertreffen. Im Tumult der durcheinander wirbelnden Sehnsüchte, Frustrationen und Fragen liefen die Protagonisten zur Höchstform auf. Rechtfertigungen, Schreie, versprochenes Stillschweigen und moralische Skrupel: Es fehlte an nichts. „Das Prinzip Ehe wird deutlich überschätzt“ – Leo musste es wissen. Und auch Nadja wollte „sich neu erleben“. „Wer sich hier einmietet, weiß was passiert“, brachte es Bernhard auf den Punkt. Oder nicht? Alles soll noch nicht verraten werden, aber oft ist nur der Wunsch der Vater des Gedankens. Natürlich wird sich geküsst – übrigens anständig mit Maske. Die Schauspieler liegen auch zusammen im Bett, getrennt durch transparentes Acrylglas oder aufeinander, zwischen ihnen Folie. Einfach gut gemacht. Ein ganz großes Lob an die Ideengeber. Da blieben auch dem Muttersohn und Hotelportier Ewald (Thorsten Hamer), dem erotisch mit Lackröckchen ausgestatteten Zimmermädchen Lina (Christina Stephan) und dem frivolen Kellner Norbert (Christian Hamann), der zuvor 16 Monate arbeitslos war und auch auf die Namen Marcel, Luigi oder Boris reagierte (die Mutter wollte ihn längst umtauschen), die Spucke weg. Es waren Szenen wie das schnelle Abhauen durch das Fenster oder die Gesangseinlagen von Leo, die zur Premiere eigentlich keiner weiteren Worte bedurften. Erneut hat das Weyher Theater Ideenreichtum beim Bühnenbild bewiesen, das Hotel Zum Seitensprung lebte auch von seiner einfallsreichen Kulisse (Lisa Kück): Ein Raum, zwei runde Spielwiesen, Empfang und eine Bar ermöglichten einen schnellen Schauplatzwechsel. Das muss man gesehen haben. Bevor das Etablissement Zum Seitensprung („für Durchgangsverkehr“, so der Portier) wieder ein ganz solides Familienhotel werden soll, empfiehlt es sich, schnellstens den Zweiakter anzuschauen. Oder wie Ewald es betonte: „Sie wissen nicht, was sie verpassen.“ Dazu die frische Herbsttemperatur in den Pausen über die Seitenöffnungen, die vielen verschiedenen Parfümdüfte der Besucher, die Desinfektionsgerüche und die Theaterluft – kurzum wunderbar. Positiv fielen dann auch die Reaktionen des Publikums aus: „Eine ganz tolle Unterhaltung, weil das Stück ein Thema behandelt, das wohl jeder kennt“, sagte ein Besucher und lächelte. Seitenspringer Weyher Theater, Weser-Kurier 12.10.2020

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