Oskar Schindlers Liste

Nach einer wahren Geschichte – für die Bühne dramatisiert von Florian Battermann   4D 8H - Verw.

U: Konzertdirektion Hannover Tournee-Premiere im Lessing-Theater Wolfenbüttel, 23.10.2018

Das Ehepaar Staehr macht auf dem Dachboden der verstorbenen Annemarie einen unglaublichen Fund: Einen Koffer voller Dokumente des Unternehmers Oskar Schindler. Gemeinsam mit den Zuschauern tauchen die beiden in die unfasslichen Geschehnisse rund um Schindlers Firma im Nazi-besetzten Krakau und später im mährischen Brünnlitz ein. In dichten, atmosphärischen Szenen zeichnet Autor Florian Battermann die spannende Geschichte des Unternehmers nach, der es meisterhaft verstand, Beziehungen aufzubauen, zu pflegen und für sich zu nutzen – zunächst für den Aufbau einer eigenen Firma, dann auch für die Rettung zahlreicher durch die Nazis unmittelbar bedrohter Juden. Im Wechsel von haarsträubenden Ereignissen und Alltagsmomenten rücken die Zuschauer nahe an das Geschehen und die Figuren heran, die allesamt glaubwürdig und vielschichtig gezeichnet sind. Eine Bühnenversion, die sicherlich für ein nachhaltig beeindruckendes Theatererlebnis sorgt.

Hochdeutsch

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EINFÜHRUNG ZU „OSKAR SCHINDLERS LISTE“ Warum ausgerechnet OSKAR SCHINDLERS LISTE? Immer wieder ist mir diese Frage gestellt worden, und vielleicht haben Sie sich ja auch im Vorfeld der heutigen Aufführung diese Frage gestellt. Nun, lassen Sie mich die Frage ganz einfach mit einer schlichten Gegenfrage beantworten: Warum nicht? Die Antwort befriedigt Sie nicht!? Gut, bevor ich mich doch detailliert mit der Beantwortung dieser grundsätzlichen Frage befasse, möchte ich vorweg etwas zu meiner Person sagen: Seitdem ich denken kann, denke ich in - ich nenne es – Theatereinheiten. Ich selbst sehe mich ganz grundsätzlich als Geschichtenerzähler, und wäre ich z.B. im Orient aufgewachsen, dann säße ich jetzt vielleicht in einem Basar oder einem Teehaus und würde Ihnen die Geschichten aus 1001 Nacht erzählen. Aber ich wuchs nicht im Orient auf, sondern in Deutschland, und wurde schon mit knapp drei Jahren an das Theater herangeführt. Solange ich zurückdenken kann besuchte ich Kaspertheateraufführungen und Kindertheatervorstellungen, und ebenso lange wollte ich selbst Theater machen, Geschichten für das Theater erfinden und Zuschauer damit in eine andere Welt entführen. Deshalb hat sich mir persönlich die Frage nie gestellt. Was mich nämlich am Theater schon immer am meisten fasziniert hat, ist die Tatsache, dass man auf dem Theater jede Geschichte erzählen kann. Man benötigt dafür nur ein paar Requisiten, Kostüme, ein bisschen Bühnenbild und jede Menge Phantasie. Das unterscheidet das Theater ganz grundsätzlich vom Film. Wenn ein Film z.B. in Ägypten spielt, dann dreht man selbigen in der Regel vor Ort, mit schönen Außenaufnahmen vor den Pyramiden oder im Trubel von Kairo. Ganz anders ist das im Theater. Hier genügt ein beiges Stück Stoff und fertig ist der Wüstensand. Vielleicht gibt es auch noch auf einem gemalten Prospekt in der Ferne eine angedeutete Pyramide, aber das reicht, um das Publikum auf eine Reise an den Nil mitzunehmen. Niemand würde hinterher an der Theaterkasse sein Eintrittsgeld zurückverlangen, weil er ja nicht das wirkliche Ägypten gesehen hat, sondern nur Theaterkulissen, ein bisschen Holz, Stoff und Farbe. Auf dem Theater gibt es eine unausgesprochene Verabredung zwischen den Menschen im Zuschauerraum und den Menschen auf der Bühne, und die lautet: Erzählt uns mit eurer Phantasie was ihr wollt, wir lassen uns mit unserer Phantasie darauf ein. Und niemand beschwert sich anschließend darüber, dass „MACBETH“ ja gar nicht in Schottland stattgefunden hat, sondern nur auf einer schlichten Bühne aus Brettern – denn diese Bretter bedeuten im Erleben der Theatervorstellung für alle im Raum, oben wie unten, sprichwörtlich DIE WELT. Und wenn am Schluss der Applaus verklingt und der Vorhang fällt, bleibt nichts als die Erinnerung. Das hat mich schon immer fasziniert. Theater ist wie eine Seifenblase, die irgendwann unweigerlich zerplatzt. Wenn ein Schriftsteller einen Roman schreibt, dann braucht er dafür kein Publikum, und egal wieviele Menschen sein Buch auch lesen, es wird sich dadurch nicht verändern. Ebenso verhält es sich beim Maler. Er malt sein Bild allein im Atelier. Und ob das Bild dann in irgendeinem Keller oder im Louvre hängt, es wird das Bild nicht verändern. Das Theater ist eine der wenigen Kunstformen (wenn man sie denn so nennen will), die erst mit dem Publikum während der Aufführung entsteht. Zwar kann ein Schriftsteller allein im stillen Kämmerlein ein Stück schreiben, aber er benötigt andere Menschen, um seinem Werk Leben einzuhauchen. Er braucht nämlich Schauspieler, einen Regisseur, Kostüm- und Bühnenbildner. Und wenn all diese Menschen dem Stück des Autors Leben eingehaucht haben, dann fehlt immer noch ein entscheidender Teil, nämlich das Publikum – ohne welches keine einzige Aufführung stattfinden würde. Wir können zwar proben ohne Zuschauer, aber nicht spielen. Eine Aufführung zu der niemand kommt, keine Karten verkauft werden, findet nicht statt. Das Theater ist eine der wenigen Kunstformen bei der das Publikum zur künstlerischen Arbeit mit beiträgt. Deshalb wird es auch nie langweilig, allabendlich das gleiche Stück zu spielen, denn das Publikum ist jeden Abend anders und reagiert anders. Oder etwas zugespitzt hat der große Theaterdichter Curt Goetz einmal gesagt: „Jedes Publikum bekommt die Vorstellung, die es verdient.“ Erst durch die Interaktion zwischen Schauspielern und Zuschauern entsteht das Theaterstück in seiner ganzen Vielfalt, und wenn die Vorstellung am Schluss zu Ende ist, dann ist dieser Theaterabend unwiederbringlich vorbei. Zwar können wir am nächsten Tag das Stück noch einmal spielen, aber da das Publikum ein anderes sein wird, ist auch die Vorstellung eine andere. Wenn die Seifenblase zerplatzt ist, können wir zwar neue Seifenblasen machen, aber diese eine Blase, die wir eben noch bewundert haben, ist Vergangenheit. Vielleicht ist es auch diese Vergänglichkeit, die mich schon immer am Theater gereizt hat. Das Theater ist wie unser eigenes Leben, am Schluss ist es unwiderruflich vorbei. Verstehen Sie jetzt warum ich OSKAR SCHINDLERS LISTE unbedingt auf die Bühne bringen wollte? Auch die Begrenztheit der Mittel reizt mich immer wieder am Theater. Alle möglichen Geschichten dieser Welt auf einer begrenzten Spielfläche von neun mal sechs Metern darzustellen ist für mich die schönste Herausforderung, die man sich denken kann. Anders als im Film ohne Location-Scout auskommen zu müssen, sondern nur mit der Phantasie des Publikums spielen zu dürfen, ist für mich einer der Hauptgründe, warum mich auch nach all den Jahren das Theater noch immer fasziniert. Ich hoffe, Sie verstehen jetzt, warum es für mich nur geradezu ein absolut logischer Schritt war, auch die Lebensgeschichte von Oskar Schindler auf die Bühne zu bringen. Aber wie kam es ganz konkret zu der Idee? Natürlich habe ich 1993 kurz vor meinem Abitur den Film gesehen und war begeistert, war Steven Spielberg Umsetzung damals etwas ganz Neues für Hollywood, fast ein Wagnis. Doch das war nicht der ausschlaggebende Grund. Eine reine Filmadaption, in der man dieselbe Geschichte nochmal erzählt, wäre mir zu langweilig gewesen. Wenn man versucht Filme 1 zu 1 auf die Bühne zu bringen, kann man – aus meiner Sicht – damit nur scheitern, es wird das Publikum langweilen. Deshalb sollte man als Autor einen Stoff nur dann auf die Bühne bringen, wenn man die entsprechende Geschichte um mindestens einen entscheidenden Aspekt bereichern kann bzw. dem Publikum durch die andere Erzählweise einen neuen Blickwinkel verleihen kann. Ein Schlüsselerlebnis diesbezüglich ließ noch vier Jahre auf sich warten. Während meines Germanistik- und Geschichtsstudiums stieß ich 1997 zufällig auf einen Artikel im SPIEGEL, in dem von einem Schindler-Koffer berichtet wurde, der erst vor kurzem in Hildesheim aufgetaucht war, dem Ort, an dem Oskar Schindler 1974 den Tod gefunden hatte. – Und ZACK hatte mich das Thema! Plötzlich war Oskar Schindler nicht bloß ein Mann, der im zweiten Weltkrieg irgendwo in Polen agiert hatte, sondern durch den Kofferfund war das Thema auf einmal für mich ganz real in meiner Gegenwart 1997 etwa 30 Kilometer südlich von mir in Hildesheim. Aus dem historischen Stoff war für mich eine ganz heutige Geschichte geworden. Rückblickend glaube ich, dass damals bereits die Idee eines Theaterstückes in mir keimte. In der Zwischenzeit sind 21 Jahre vergangenen, und ich habe fast alles zum Thema Schindler gelesen, dessen ich habhaft werden konnte. Und so formte sich in mir über die Jahre langsam aber sicher aus der Hollywoodfigur des deutschen Helden, der mehr als eintausend Juden vor dem sicheren Tod bewahrt hatte, immer mehr das Bild eines realen Menschen. Das ist nämlich für mich der Schlüssel zum Theaterstück. Ich wollte zeigen, dass Oskar Schindler eben kein Übermensch war, dessen Vorbestimmung es war, all diese Menschen zu retten. Mich interessierte viel mehr, was mit einem Menschen geschehen muss, damit er eine solche Tat vollbringt. Oder hat er sie unter Umständen gar nicht allein vollbracht? Meist ist die Realität nämlich nicht halb so heroisch, wie es uns Hollywood gerne auf der großen Leinwand zeigen will. Meiner Meinung nach kommen zwei wichtige Menschen im direkten Umfeld Oskar Schindlers im Film viel zu kurz, ohne die die ganze Rettungsaktion kläglich gescheitert wäre. Der eine von den beiden ist Abraham Bankier. Er war, vor der Besetzung Polens durch die Deutschen, der Geschäftsführer der Emaillewarenfabrik, die Oskar Schindler Ende ´39 übernahm. Und da Schindler von dem Geschäft nicht die geringste Ahnung hatte, war er klug genug, den Juden auch nach der Übernahme in seinem Amt zu belassen. Ohne Abraham Bankier, der im Film gar nicht mitspielt, hätte die Firma Record niemals so lange und so effektiv produzieren können, was nicht nur das monetäre Aus der ganzen Aktion längst vor Kriegsende bedeutet hätte. Bei der anderen Person handelt es sich um Emilie Schindler, Oskars Ehefrau. Im Film wird sie fast ausschließlich als betrogene Gattin gezeigt, was ihrer wirklichen Rolle bei weitem nicht gerecht wird. Zwar ging Oskar bei fast jeder sich ihm bietenden Gelegenheit fremd, was Emilie höchstwahrscheinlich auch gewusst hat, allerdings avancierte seine Ehefrau besonders zum Ende des Krieges zur Schlüsselfigur der ganzen Aktion. Als nämlich Schindlers Lager 44/45 in Krakau aufgelöst werden sollte, was die Deportation aller Insassen nach Auschwitz bedeutet hätte, bewirkte Emilie die entscheidende Genehmigung, um mit dem gesamten Lager in ihre alte Heimat nach Brünnlitz umziehen zu können. Stärker als der Film es je versucht hat, möchte ich mit dem Theaterstück zeigen, dass die Rettungsaktion der Schindler-Juden im besten Sinne Teamwork war. Damit will ich Oskar Schindlers Andenken in keinster Weise schmälern, aber ich will eben auch zeigen, dass zwei weitere Menschen einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen des Plans hatten: Emilie Schindler und Abraham Bankier. Auch sie sollten Teil unserer Erinnerung werden. Bestimmt war Oskar Schindler der Motor, aber er war eben kein Einzeltäter, sondern auf die Mithilfe anderer Menschen angewiesen. Ein weiterer Aspekt, der für mich im Film nicht befriedigend herausgearbeitet worden ist, ist die Frage nach dem Motiv: Warum, oder besser gesagt, was passiert mit einem Nazi, der eigentlich ins besetzte Polen kommt, um dort glücksrittergleich Geschäfte zu machen, damit er schließlich mehr als eintausend Menschen das Leben rettet. Interessant ist auch die Frage: Warum entwickelte sich Schindler vom Saulus zum Paulus? Leider wird im Film nicht ausreichend darauf eingegangen, dass Oskar Schindler vier Jahre vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges für die deutsche Abwehr unter Canaris in der Tschechei spionierte. Im Juli ´38 flog er auf, wurde verhaftet und bis zum Oktober inhaftiert. Wäre es zu einem Prozess gekommen, so hätte ihm als Spion für das Deutsche Reich die Todesstrafe gedroht. Im der Folge des Münchener Abkommens vom 30. September ´38 besetzten deutsche Truppen das Sudetenland, was zu Schindlers Freilassung führte. Diese Information ist, meiner Meinung nach, für das generelle Verständnis des Charakters von Oskar Schindler nicht unerheblich. Denn als Schindler ins besetzte Polen kommt (man ist sich bis heute nicht sicher, ob er aus eigenem Antrieb reiste oder sogar von Canaris geschickt wurde, um die Machenschaften der SS im besetzen Gebiet zu beobachten), ist er der Haft entronnen, während der er ein viertel Jahr lang davon ausgehen musste, dass sie für ihn zum Tode führt. Er fühlt sich sicherlich wie neu geboren. Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher Mensch, erst recht, wenn er ein Lebemann wie Schindler ist, eine Spielernatur, die gerne alles auf eine Karte setzt, nun anders agiert, als es ein gewöhnlicher Charakter getan hätte. Wahrscheinlich hat es sogar einen solch furchtlosen Menschen gebraucht, um diesen zunächst utopischen Plan der Rettung von mehr als eintausend Juden überhaupt in Angriff zu nehmen. Seine Ehefrau sowie Abraham Bankier haben dann durch ihre tatkräftige Unterstützung dafür gesorgt, dass Oskar Schindler stets die nötigen Mittel zur Verfügung standen, um seinen waghalsigen Plan umzusetzen. All das habe ich versucht, in dem Theaterstück OSKAR SCHINDLERS LISTE herauszuarbeiten, ohne den Aspekt, eine spannende und zugleich anrührende Geschichte erzählen zu wollen, zu vernachlässigen. Ich hoffe, es ist gelungen! Gerade in unserer heutigen Zeit, in der in zahlreichen Ländern, verstärkt Rechtspopulisten in Aktion treten, erscheint es mir besonders wichtig – auch im Theater – zu zeigen, an welchem Abgrund die Welt vor knapp 70 Jahren schon einmal stand, und das jeder Einzelne von uns – an seinem Platz – rechtzeitig etwas dagegen unternehmen kann. Auch dafür spielt unser Ensemble heute für Sie OSKAR SCHINDLERS LISTE. Um die Erinnerung wachzuhalten und ein mahnendes Beispiel zu geben. Herzlichen Dank! Oskar Schindlers Liste Komödie am Altstadtmarkt GmbH, Florian Battermann 23.10.2018

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