Wie steht's, Mata Hari?

(What's the Mata Hari?)

Eine Dramödie von Tony Dunham. Deutsch von Anne Simmering   1D 1H 1Dek

U: 9. April 2016 Horizont Theater Köln

Sie ist verwegen und clever, selbstbewusst und kämpferisch, sie ist verletzlich und in Not. Mata Hari, Schauspielerin, Tänzerin, Kurtisane und Spionin, eine schillernde Figur der untergehenden Belle Epoque, der viele große und einflussreiche Männer ihrer Zeit verfallen, geht letztlich selbst im Geflecht verschiedener politischer Interessen unter. Als Doppelagentin wird sie 1917 in Frankreich hingerichtet.
Tony Dunham kreiert um diese Frau und ihren Mythos ein doppelbödiges biographisches Stück, ein komödiantisches Interview, getragen von zwei Darstellern, einer ungeschminkt ehrlichen wie gleichzeitig geheimnisvollen Mata Hari und einem wandelbaren Partner, der in alle Figuren schlüpft, die ihre Geschichte prägen, begleiten, begründen und auch beenden. Ein Drama voll Witz, Tempo und einem reichen Angebot zum Spiel für zwei wandelbare Akteure.

Hochdeutsch

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Eine Spionin zum Verlieben Silke Natho glänzt als „Mata Hari“ im Horizont Theater Sie war eine der schillerndsten Figuren der Geschichte: die Niederländerin Margarete Gertruida Zelle (1876 – 1917), alias Mata Hari. Hochstaplerin mit erfundener exotischer Biografie, Nackttänzerin, Kurtisane und im Ersten Weltkrieg Doppelagentin für Deutschland und Frankreich, 1917 von den Franzosen zum Tode verurteilt und erschossen. Immer wieder wurde ihre Lebensgeschichte künstlerisch aufbereitet. So auch von Tony Dunham, in Köln lebender englischer Autor vieler erfolgreicher Komödien. Ambivalente Figur Jetzt nahm das Horizont Theater nach 4 Jahren sein Stück „Mata Hari, wie steht´s?“ in der prägnant auf den Punkt gebrachten Inszenierung des Hausherrn Christos Nicopoulos wieder auf – zur Freude des Corona-bedingt reduzierten Publikums, das mit den gut gelösten Abstandsregeln gut zu Recht kommt. Silke Natho ist als Mata Hari eine Wucht. Sie verkörpert die ambivalente Figur großartig in ihrer Mischung aus Selbstüberschätzung, Geltungssucht und Naivität, ohne sie gnadenlos der Lächerlichkeit preiszugeben. Selbst der „Schleiertanz“ gerät da nicht zur Farce. Am Schluss hat man fast Mitleid mit dieser Frau, die, erst 41 Jahre alt, zwischen den Mühlsteinen der Geschichte zerrieben wurde. Nathos Ehemann Georg B. Lenzen (die Beiden lernten sich an der Schauspielschule der Theaters der Keller kennen) ist ihr in elf verschiedenen Rollen ein exzellenter „Sparingspartner“. Mit wenigen Requisiten verwandelt er sich vom bankrotten Vater in diverse Liebhaber, Spione und schließlich in den Vollstrecker des Todesurteils. Der herzliche Applaus galt nicht nur dem intensiven Spiel, sondern auch Tony Dunham im Publikum für eins seiner komprimiertesten Stücke. Wie steht's, Mata Hari? Horizont Theater e.V., Kölnische Rundschau 23.06.2020

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