Letzter Vorhang für John Barrymore

(Barrymore)

von William Luce. Deutsch von Felix Borchert   2H 1Dek

Nachts in einem New Yorker Theater im Frühling 1942: Der gealterte, alkoholabhängige Schauspielstar John Barrymore, einst gefeiert für seine legendären Darstellungen von Shakespeare-Bühnenhelden wie „Richard III.“ oder „Hamlet“, will es noch einmal wissen. Er hat einen Theaterraum für eine Nacht gemietet, um mit seinem Souffleur Frank seine Glanzrolle des „Richard III.“ aufzufrischen. Doch zwischen dem Ringen um Text gibt er sich den Erinnerungen hin, lässt Episoden seines Lebens Revue passieren, Momente seiner Kindheit, seine vier Ehen, seine jähe Karriere, seinen Absturz in Alkoholismus. Er rechnet mit sich ab. Und dann soll der Vorhang für immer geschlossen bleiben.
Ein sehr stimmungsvolles Stück, in dem ein Schauspieler brillieren kann. Im Gespräch mit dem Publikum und dem lakonischen Souffleur Frank, der nur zu hören, nie auf der Bühne zu sehen ist, hält jener Barrymore Rückschau und liefert dabei eine letzte einsame Vorstellung, denn ein Publikums denkt er in jedem Gestus mit. Er mischt große Shakespeare-Zitate und tiefsinnige Gedichte mit zotigen Witzen und Songzitaten, kämpft mit letzter Verve, um noch einmal einen großen Bühnenmoment zu erleben, und schafft es gleichzeitig, seiner Verzweiflung mit Selbstironie zu begegnen. Ein Fest für jemanden, der die Vielschichtigkeit dieses Textes zum Leben erwecken kann – und für sein Publikum.

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Personen:
John Barrymore
Souffleur

John Barrymore, der einst für legendäre schauspielerische Leistungen, sowohl auf der Bühne des Broadways als Shakespeares „Hamlet“ oder „Richard III“, als auch auf den frühesten Filmleinwänden der Geschichte als „Don Juan“ oder „Dr. Jekkyl / Mr. Hyde“, bekannt war, ist im Frühling 1942 bereits soweit seinem Alkoholismus erlegen, dass er schon lange nicht mehr an den Erfolg und Ruhm von früher anknüpfen kann. Aber er will es noch einmal wissen und mietet sich für eine Nacht einen Theaterraum an, um mit seinem Souffleur Frank seine Glanzrolle des „Richard III“ aufzufrischen. Am Ende des Abends, an dem der Vorhang dann für immer geschlossen bleiben soll, bleibt aber mehr eine Abrechnung mit sich selbst und dem eigenen Scheitern, als eine großartige Wiederaufnahme des früheren „the Great Profile“, des Mannes mit der schönsten Stimme der Welt. Und so mischt er einige Zitate seiner größten Rollen mit tiefsinnigen Gedichten, Witzen und Songzitaten, nur um noch einmal einen großen Bühnenmoment zu erleben, begegnet seiner eigenen Verzweiflung mit viel Selbstironie und liefert, zusammen mit seinem unsichtbaren Sparringpartner, eine letzte einsame Vorstellung: spöttisch, bitter, anrührend und mit lakonischem Witz fesselt er sein zu jedem Zeitpunkt mitgedachtes Publikum. Letzter Vorhang für John Barrymore , Drei, zwei, eine(r) geht noch 23.05.2020