Dinge, die ich sicher weiß

(Things I Know To Be True)

von Andrew Bovell. Deutsch von Maria Harpner und Anatol Preissler   3D 3H 1Dek

U: 13.05.2016 Dunstan Playhouse, Adelaide; Presented by State Theatre Company, Frantic Assembly & Australian Gas Networks in association with Adelaide Festival Centre
DSE: 23.02.2018 Staatstheater Mainz

Anders als in den früheren Stücken mit vielen Zeit- und Ortswechseln bleibt die Dramaturgie dieses Textes von Andrew Bovell fast geradlinig. Über vier Jahreszeiten hinweg begleitet man die Familie Price in Zeiten des Umbruchs. Doch es wäre kein Stück von Andrew Bovell, wenn es den Raum nicht viel größer spannte hin zu einem universalen Stück über komplexe Beziehungsstrukturen in Familien. Hier sitzt jedes Wort an der richtigen Stelle, und es wird kein Satz zu viel, aber auch kein Wort zu wenig gesagt, um „the nuclear family in all its glory and all its horror“ lebendig werden zu lassen, wie der Autor es in einem Interview einmal beschrieb. Ein ebenso poetisches wie schmerzhaft ehrliches Stück, das die starken wie fesselnden Verbindungen zwischen den Geschwistern, Eltern und Kindern sinn- und augenfällig macht.
Zu Beginn und am Ende dieses Schauspiels listet Rosie, die jüngste Tochter der sechsköpfigen Familie Price, ihre Liste der Dinge auf, die sie sicher weiß, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Und so lernen wir die Familie kennen, die Eltern Bob und Fran, die vier Kinder Ben, Mark, Pip und das Nesthäkchen Rosie. Schnell taucht man ein in das komplexe Familiengebilde, das eine sehr große Liebe ebenso zusammenhält wie auseinandertreibt. Jedes Kind sucht seinen eigenen Weg aus dem liebevollen Nest der Eltern, deren Garten lange Zeit die Welt für sie bedeutet hat. Dort fanden die wichtigsten, aber auch ganz banale Familienereignisse statt: gemeinsame Spiele und Grillparties, geheime Rückzüge, Ausgelassenheit, Trauer, die Hochzeit der ältesten Tochter Pip. Doch so groß die Liebe der Eltern ist, so erdrückend kann sie auch sein, so ungleich ist sie verteilt, wenn die Mutter die Söhne ebenso bevorzugt wie der Vater die Töchter, wenn sich Tochter Pip und ihre Mutter Fran zu ähnlich sind, die jüngere Frau die Chance auf ein neues Glück ergreift, die die Mutter vorbeiziehen ließ, um für ihre Kinder da zu sein. Die Kinder, die die Erwartungen ihrer Eltern, die hart für sie und ihre Ausbildung gearbeitet haben, kennen, aber ihren eigenen Weg suchen müssen. Rosie ist die Jüngste und noch nicht ganz flügge geworden. Nachdem ihr erster Versuch, sich abzunabeln und möglichst weit weg von Zuhause die Welt zu erkunden, an gebrochenem Herzen gescheitert ist, ist sie in den sicheren Familien-Hafen zurückgekehrt. Während sie noch Orientierung sucht, haben ihre Geschwister ihre Wege bereits beschritten, und bringen damit das Gleichgewicht der Familie immer wieder ins Schwanken. Und wie wird es um Frans und Bobs Ehe bestellt sein, wenn auch Rosie endgültig auszieht?
Andrew Bovells Stück zeigt eine Familie im Umbruch, reich an Emotionen und sehr genau beobachtet, dabei nicht sentimental, sondern mit liebevoller Sachlichkeit gezeichnet und von ausgesprochener Präzision, was dem Text eine umso größere Wirksamkeit verleiht. Er entwirft eine poetische und zugleich schmerzhaft ehrliche Studie über das komplexe Beziehungsgeflecht in Familien, ein wunderbares Stück über starke Bindungen, Liebe, Verlust, ungelebte und realisierte Träume, ja über den Lauf der Dinge, versinnbildlicht in der Folge der vier Jahreszeiten im Garten der Prices. Ein Stück, das an existenzielle Erfahrungen rührt, die wohl jeder Mensch im Laufe seines Lebens macht, und sein Publikum somit unmittelbar erreicht und bewegt.

Hochdeutsch

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Familiengeschichte mit schmerzhafter Authentizität In „Dinge, die ich sicher weiß“ gibt es eine Menge Schicksalsschläge. Die werden im Schlosspark Theater melancholisch-humorvoll gelöst Nesthäkchen Rosie hat sich ihre Europareise ganz anders vorgestellt. Irgendwie spektakulärer. Eine Zeit, von der sie dachte, dass sie erwachsen wird. Stattdessen hat sie Heimweh, verliebt sich unglücklich und kehrt deshalb flugs nach Australien zu ihrer Familie zurück. Angekommen, wird sie mit Fürsorge und Vorwürfen überschüttet. Sofort ist klar, Familie Price ist von der anstrengenden Sorte. Auf den ersten Blick sieht alles ganz schmuck aus bei ihnen. Der Garten ist picobello und auch sonst scheinen sich alle ganz doll lieb zu haben. Doch schaut man näher hin, liegt viel Streit in der Luft, während Geheimnisse unheilvoll unter der Oberfläche gären. Anatol Preissler hat Andrew Bovells Drama „Dinge, die ich sicher weiß“ schnörkellos und geradeaus im Schlosspark Theater inszeniert. Vorzüglich besetzt mit einem eindrücklich agierenden Ensemble. Ein Baum in der Mitte, ein Tisch, ein Schuppen und drei Rosenstöcke dazu auf einer Drehbühne. Mehr braucht es nicht, damit sich die turbulente Familiengeschichte entspinnt. Dafür gab es bei der Premiere Standing Ovations. Ein Wellmade Play, bei dem sich die Katastrophe bereits zu Beginn andeutet. Wen es aus der Familie Price trifft, ist noch unklar in der ersten Szene. Doch die Nachricht, die Vater Bob erwartet, wenn er den Telefonhörer abnimmt, wird keine gute sein. Bevor es so weit ist, erlebt man in einer Rückblende das letzte Jahr der Familie Price. Rosie (Helen Barke) rahmt die Geschichte ein, indem sie all die Dinge aufzählt, die sie sicher weiß. Etwa, dass sie ihren eigenen Weg finden muss. Was Mutter Fran gar nicht passt. Am liebsten würde sie ihren Kindern diktieren, was das beste für sie ist. Maria Hartmann spielt Fran fulminant. Fast schizophren zwischen der unbedingten Liebe zu ihren Kindern und einer giftigen Bösartigkeit. Übergriffig, aufbrausend, herrisch. Vielleicht wird man so, wenn man einen Haushalt managt und als Krankenschwester Nachtschichten schrubbt. Für Fran steht nicht das eigene Glück, sondern die Pflichterfüllung an erster Stelle. Unverbrüchlich an ihrer Seite ist Bob, den Heinrich Schafmeister liebenswürdig schusselig und trotzdem sehr bestimmt gibt. Das emotionale Rückgrat der Familie. Was dringend nötig ist. Denn Pip (Annika Martens) will beruflich nach Vancouver und Mann und Kinder verlassen. Worüber Fran erbost ist. Mindestens genauso heftig reagiert sie auf das Geständnis von Sohn Mark (Tilmar Kuhn), der in Sidney als Mia leben möchte. Dann ist da noch Sohn Ben (Johannes Hallervorden), der die Bank, für die er arbeitet, um viel Geld betrogen hat, was aufzufliegen droht. In der Not rufen sie alle nach den Eltern. Man spürt die Kluft der Generationen. Die Hoffnungen der Eltern für die Zukunft ihrer Kinder erfüllen sich nicht. Denn die Realität sieht anders aus. Eingebunden in ein komplexes Familiengeflecht, sind es vielleicht ein paar Schicksalsschläge zu viel an diesem melancholisch-humorvollen Abend. Doch die Schauspieler verleihen der Familiengeschichte eine nachgerade schmerzhafte Authentizität, so dass man sich in den Figuren immer wieder selbst erkennt. Dinge, die ich sicher weiß SchlossparkTheater, Berliner Morgenpost 05.09.2021

Wann fängt das Leben an? Diese Frage stellt sich Rosie, mit 18 das Nesthäkchen der Familie, nachdem sie die erste große Liebe gefunden hat. Aber dass nichts im Leben so bleibt wie es ist oder kommt wie man denkt, das erfährt Rosie in den nächsten Woche gemeinsam mit ihrer Familie. jedes der vier erwachsenen Kinder hat seinen Rucksack an Probleme, Wünschen und Sehnsüchten. Die Eltern, Bob und Fran, versuche, die Dinge, die aus dem Ruder zu laufen scheinen, wieder hinzubiegen. Dinge, die sich vielleicht nicht hinbiegen lassen. Dinge, die ich sicher weiß - dazu macht sich Rosie eine Liste, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Aber auch die Eltern teilen Geheimnisse, wunderbare wie überraschende. Ein gleichermaßen erheiternd poetisches wie schmerzhaft ehrliches Stück, das die spannenden Beziehungen innerhalb der Familie offenlegt. Schnell wird man Teil der Familie Price, die eine übergroße Liebe zusammenhält wie auseinander treibt. Doch es wäre kein Stück von Andrew Bovell, wenn es nicht den Bogen über die Komödie hinaus spannte hin zu einem Stück über den Sinn des Lebens. Eine poetische Studie über Bindung, Liebe, Verlust, Träume, über den Lauf der Dinge, versinnbildlicht im Garten der Familie. „Dinge, die ich sicher weiß“, sagt Rosie. „Ich weiß, dass der Sommer zum Herbst wird und der Herbst zum Winter. Und dass auf den Winter der Frühling folgt und nach dem Frühling wieder der Sommer kommt. Und es geht weiter. Das Leben. Es geht weiter.“ Dinge, die ich sicher weiß SchlossparkTheater, Programmheft Schlossparktheater 04.09.2021

26.09.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

28.09.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

29.09.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

30.09.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

01.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

02.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

03.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

05.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

06.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

07.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

08.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

09.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

10.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

12.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

13.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

14.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

15.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

16.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

17.10.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin 

12.01.22   Konzertdirektion Landgraf   63225 Langen  Premiere

13.01.22   Konzertdirektion Landgraf   65760 Eschborn 

14.01.22   Konzertdirektion Landgraf   57368 Lennestadt-Meggen 

15.01.22   Konzertdirektion Landgraf   41334 Nettetal 

17.01.22   Konzertdirektion Landgraf   97688 Bad Kissingen 

18.01.22   Konzertdirektion Landgraf   77694 Kehl 

19.01.22   Konzertdirektion Landgraf   72336 Balingen 

20.01.22   Konzertdirektion Landgraf   36037 Fulda 

21.01.22   Konzertdirektion Landgraf   85356 Freising 

23.01.22   Konzertdirektion Landgraf   40878 Ratingen 

24.01.22   Konzertdirektion Landgraf   46325 Borken 

25.01.22   Konzertdirektion Landgraf   38440 Wolfsburg 

26.01.22   Konzertdirektion Landgraf   21614 Buxtehude 

27.01.22   Konzertdirektion Landgraf   31275 Lehrte 

28.01.22   Konzertdirektion Landgraf   58642 Iserlohn 

29.01.22   Konzertdirektion Landgraf   58511 Lüdenscheid 

30.01.22   Konzertdirektion Landgraf   33330 Gütersloh 

31.01.22   Konzertdirektion Landgraf   25524 Itzehoe 

02.02.22   Konzertdirektion Landgraf   25335 Elmshorn 

03.02.22   Konzertdirektion Landgraf   24534 Neumünster 

07.02.22   Konzertdirektion Landgraf   57413 Finnentrop 

08.02.22   Konzertdirektion Landgraf   78050 Villingen-Schwenningen 

04.03.22   Spessartgrotte   97737 Gemünden  Premiere

29.04.22   Altes Schauspielhaus und Komödie im Marquardt   70178 Stuttgart  Premiere

04.09.21   SchlossparkTheater   12165 Berlin Premiere

25.01.20   Staatstheater Mainz   55116 Mainz Premiere

16.01.20   Ernst-Deutsch-Theater   22087 Hamburg Premiere

14.09.19   Staatstheater Oldenburg   26122 Oldenburg Premiere

12.04.19   Schlosstheater Celle   29221 Celle Premiere

06.04.19   Theater für Niedersachsen GmbH   31141 Hildesheim Premiere

27.11.18   Staatstheater Mainz   55116 Mainz Premiere

23.02.18   Staatstheater Mainz   55116 Mainz Premiere