Erntedank Ein lieber Mann

Eine Spurensuche von Max von Berg   6H 1Dek

U: Ohnsorg-Theater Hamburg, 17.04.2016

Nicht weniger als eine Idylle erwartet die Mitglieder ihrer Wohngemeinschaft daheim, und dafür haben sie ein Leben lang hart gearbeitet. Denn diese WG besteht nur aus Männern, die die Rentengrenze längst hinter sich gelassen haben, und ein Toter im Garten kommt da sehr ungelegen. Im Gespräch mit dem ermittelnden Kommissar entspinnen sich Lebens-Geschichten, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, und an deren Ende die Gerechtigkeit auf unerwartete Weise siegt. Mit leichter Hand, ebenso humorvollen wie tiefsinnigen Dialogen und einer erfrischenden dramaturgischen Komposition verwebt der Autor Max von Berg unterschiedliche Handlungs- und Zeitebenen. Über die Schilderung kleiner aber realer alltäglicher Sorgen des Einkaufens und der Vergesslichkeit öffnet er die Tür für eine schicksalhafte Wieder-Begegnung von Menschen. Im Mittelpunkt stehen lauter sympathische ältere Herren; vier Charaktere, die dem Pflegenotstand entgehen wollen und sich lieber die Hilfen engagieren, die sie benötigen. Otto ist auf die Fürsorge seiner zwei Freunde Siegbert und Lotte angewiesen. Oswald, ein ehemaliger Pastor, ist mit eingezogen und als Gärtner soll Horst-Heinrich Bartels eingestellt werden. Die Männerrunde komplettiert Kommissar Menke, der zwischen professionellem Auftrag, Sympathie für die Handelnden und ihre Handlungen sowie Einsicht und Verständnis abwägen muss.

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Das Personal:
Die WG:
Oswald Lessing (87) – ein Pastor mit diversen Leichen im Keller
Siegbert Hoffmann (76) – ein Klavierspieler, der zum Jähzorn neigt
Prof. Lothar "Lotte" Krause (78) – ein altersweiser Maler und Kunstprofessor
Otto Bader (79) – ein alteingesessener Hamburger Bankier, derzeit schwer dement
Der Gärtner:
Horst-Heinrich Bartels (80) – einer, der sich mit Gartenarbeit die Rente aufbessert
Der Kommissar:
Hauptkommissar Menke (52) – ein erfahrener Kriminalist, der gut zuhören kann
Ferner:
Ein Radio-Pastor (Stimme aus dem Off)

In die scheinbar heile Welt der Altherren-WG in der Bankiersvilla von Otto und seinen Freunden bricht die Vergangenheit mit aller Wucht ein und fordert einen Toten. Kurz darauf liegt ein Geständnis vor. Allein Kommissar Menke glaubt nicht an diese Wahrheit. Immer wieder verhört er einen der Herren, Siegbert, der eindeutig mehr weiß, als er zugibt. Doch Menke beißt auf Granit. Muss, soll er jetzt härtere Bandagen anlegen? Oder seine Zweifel vergessen? Fast wie nebenbei und doch sehr fein komponiert erzählt Max von Berg von einer bewegenden und beneidenswerten Männerfreundschaft, von dunklen Schatten aus der Vergangenheit und ebenso dunklen Wegen, wie diese sich Gerechtigkeit verschaffen. Der Kommissar als jüngerer Gegenpart sieht sich mit einer großen Herausforderung konfrontiert – und fällt am Ende eine menschliche Entscheidung. Ein tiefsinniges Stück, in dem Autor Max von Berg mit leichter Hand verschiedene Zeit- und Handlungsebenen verstrickt. Unter der heiteren Schilderung alltäglicher Sorgen alter Menschen strahlt eine Lebenserfahrung und Wärme hervor, die berührt. Wie diese erfahrenen Menschen mit einem Mord in ihrem Garten umgehen, erstaunt gleichermaßen. Eine hochinteressante Spurensuche in einer ebenso interessanten Besetzung, die ganz unaufgeregt grundlegende Fragen zum Alter, zur Selbstjustiz, zum gerechten Handeln aufwirft. Erntedank , Bestseller & Newcomer 04.02.2014

Im April 2016 feierte dieses „starke“ Stück (Hamburger Morgenpost; 19.04.2016) unter dem niederdeutschen Titel „En leven Mann“ seine viel beklatschte Uraufführung am Hamburger Ohnsorg-Theater. Als „stimmiges Ganzes“ lobte das NDR Abendjournal die Inszenierung, das Publikum äußerte sich nach der Premiere begeistert: „spannend bis zum Schluss“, „eine tolle Inszenierung“, „das muss man sich ansehen!“, war von vielen Seiten zu hören. Auch bei den Zeitungsrezensenten fand das Schauspiel großen Anklang: „Es ist ein gelungenes, warmherzig witziges Dokument über Altherren-Freundschaften, das Regisseur Frank Grupe liebevoll in Szene gesetzt hat“, lobte die „Welt“ (19.04.2016). Und auch das „Hamburger Abendblatt“ selbigen Datums sparte nicht mit Lob für den „ernsthaften und sehenswerten Abend“. Dafür sorgten nicht zuletzt die glaubwürdigen und vielschichtigen Charaktere des Schauspiels, die die Darsteller wunderbar auszufüllen wussten. Besonders überzeugt an „Erntedank“, wie perfekt ausbalanciert sich Leichtigkeit und Schwere hier begegnen, wie trockener Humor und ein großer Gefühlsreichtum sich die Hand reichen, ohne jemals ins Platte oder Sentimentale abzugleiten. Eine wunderbares Bühnenstück für ein Sextett erfahrener Darsteller und ein sehr eindrückliches Erlebnis für das Publikum. Erntedank , Großes Schauspiel auf den Spielplan! 09.11.2016