Der Heimkehrer und sein Major

(Kaiserstühler Jahrmarkt)

Ein Spiel von Helmut Schulz   3D 12H - Stat. - Verw.

Das Stück geht auf einen historischen Fall zurück: Am 17. Mai 1932 trifft in Edingen am Kaiserstuhl bei den Eheleuten Daubmann ein Brief ihres seit sechzehn Jahren an der Somme vermissten Sohnes ein, der die Rückkehr des Totgeglaubten aus französischer Gefangenschaft in Afrika ankündigt. Als die Nachricht publik wird, ist damit für die nationalistischen Kreise in Deutschland der Beweis erbracht, dass "immer noch ehemalige deutsche Frontsoldaten in französischen Kerkern schmachten". Zuhause angekommen, wird der Heimkehrer von der Menge gefeiert, von den Behörden geehrt, von den Eltern in die Arme geschlossen. Sein angebliches Schicksal wird sofort politisch umgemünzt. Zweifel an seiner Identität werden bei der vorherrschenden Stimmung als vaterlandslose Gesinnung abgetan. Die Massenhysterie erreicht ihren Höhepunkt, als der falsche Heimkehrer in Berlin dem Reichspräsidenten vorgestellt werden soll und das Auswärtige Amt von der französischen Regierung eine Stellungnahme verlangt. Was so zur Staatsaktion eskaliert, hat jedoch einen sehr banalen, wenn auch menschlich erschütternden Hintergrund: Ein kleiner mehrfacher Betrüger, der mit seinen Schwindeleien schon so Manches, nie aber Politisches bezweckte, wird gegen seine Willen zum Werkzeug des deutschen Hasses gegen den "Erbfeind Frankreich", zum Mittel politischer Agitation am Vorabend der Machtergreifung. Dieser Vorgang, der seinerzeit von der in- und ausländischen Presse als "badische Köpenickiade" bezeichnet wurde, kam den Nationalsozialisten nach seiner Aufdeckung äußerst ungelegen, sie hatten daher nichts Eiligeres zu tun, als dieses Geschehen schnellstens unter den Teppich zu kehren.

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