Der Fall Luther

Ein Stück von Karlheinz Komm   1D 5H - Verw.

U: 1983 Landesbühne Rheinland-Pfalz in Neuwied

In einer Gerichtsverhandlung und in szenischen Rückblenden in das Leben des großen Reformators soll geklärt werden, ob Dr. Martin Luther durch seine Worte und Schriften den Aufstand der Bauern mit initiiert hat.

Hochdeutsch

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Am 31. Oktober 2017 steht ein großes Jubiläum an: der 500. Jahrestag der Veröffentlichung der Luther’schen Thesen. Auch viele Bühnen nehmen sich angesichts dessen des großen Reformators Martin Luther an. So starten zum Beispiel bei der Landesbühne Neuwied im Februar 2017 und dem Kleinen Theater Bad Godesberg Ende August 2017 große Produktionen von Karlheinz Komms „Der Fall Luther“. Luther muss sich hier vor Gericht rechtfertigen. Doch es ist kein irdisches Strafgericht, dem sich der kluge Reformator gegenüber sieht. Es ist sein eigener Zweifel, der sich in Form fiktiver Richter und Kläger durch Luthers Leben pflügt. Da steht er nun, der große Reformator, der einst als kleiner Mönch die ganze Kirche bis hinauf zum Papst in helle Aufregung versetzte und dem die Bevölkerung zu Füßen lag: allein, angefeindet. Er wird angeklagt, den Aufstand der Bauern in Wort und Schrift angezettelt zu haben. Dabei ging es ihm doch „nur“ um das Wort, die Wahrheit, Christus. Der intellektuelle, an sich unpolitische Theologe wird zerrieben zwischen den weltlichen Intrigen von Kirche, Fürsten und Kaiser. Viel hat er errungen für die Religion und ihre Schäfchen. Es gibt eine deutsche Bibel, es gibt eine reformierte Kirche. Doch dies ging nicht ohne weltlichen Umsturz. Trägt er damit nicht auch Schuld an den Folgen, die viele Todesopfer forderten? – In hitzigen Wortgefechten im Gerichtssaal, mit nachdenklichen Tönen im Privaten, durchwirkt von zahlreichen Rückblenden – so lässt Karlheinz Komm Luther am Ende seines Lebens kritisch Rückschau halten. Luther ist hier kein reiner Held, sondern vor allem ein Mensch. Einer mit Visionen und einem starken Willen, einer mit Ecken und Kanten, einer, der – ob er es wollte oder nicht – die christliche Welt revolutionierte. Ein hochspannender, geistreicher Fall, der seit seiner Uraufführung – übrigens ebenso an der Landesbühne Neuwied – schon vielerorts verhandelt wurde. Neben Neuwied und Bad Godesberg im Jubiläumsjahr zum Beispiel auch zu erleben in Köln und Balje. Der Fall Luther , Großes Schauspiel auf den Spielplan! 09.11.2016

Zum Thema „Luther“ erschienen in der Vergangenheit eine Menge Theaterstücke, Fernsehspiele und der Film. Die Zahl der Bücher zu der monolithischen Gestalt des Reformators ist unüberschaubar. Luther veränderte die Welt, er erneuerte die Kirche, er schuf den Deutschen als erster die einheitliche Schriftsprache, er baute ein allgemeines Schulwesen auf, er übersetzte die Bibel, er förderte die Kirchenmusik und sorgte, ohne es zu wollen, für beträchtliche Verwirrung, die schließlich zu Gewalt führte. Es ist leicht Luthers Werk grenzenlos zu bewundern. Aber es ist ebenso leicht, ihm Fehler und Verwirrung vorzuwerfen. Und so steht er in einer Reihe von vielen geschichtlichen Persönlichkeiten, die dadurch, dass sie sich zum Handeln aufgerufen fühlten, auch schuldig werden mussten. Der Held in der Tragödie muss deshalb untergehen, denn auch den ungewollt Schuldigen vernichtet das Schicksal. In diesem Sinne ist Luther keine tragische Bühnengestalt. Er ist ein Mensch mit Kanten und Ecken, mit höchst sympathischen, aber auch gelegentlich bedenklichen Charakterzügen, von Gott gesegnet, aber auch von Gott oft allein gelassen. Doch es gab bei aller Schicksalhaftigkeit seines Lebens kein Scheitern, kein Untergehen, keine Vernichtung. Wenn man sich mit ihm auf dem Theater beschäftigen will, so wird man die Form eines Schauspiels wählen müssen. Das kann sogar bis zur Tragikomödie gehen. Aber niemals wird Luther zur Hauptfigur einer Tragödie werden können, denn dazu ist ihm zu vieles gelungen. Wenn ich es trotzdem wage, noch ein weiteres Stück über den großen Reformator zu schreiben, so zunächst aus ganz einfachen Gründen: 1. Luther hat mich immer zur Beschäftigung mit ihm gereizt. Und da mein Medium das Theater ist , musste es eben in Form eines Theaterstücks sein. 2. Das Wissen über Martin Luther ist in den letzten Jahrzehnten immer bruchstückhafter geworden. Was wissen evangelische Jugendliche über ihn? Eigentlich nur, dass er die Bibel ins Deutsche übertragen hat. Ihnen will mein Stück eigentlich nur aus dem Leben eines bedeutenden Christen erzählen. Dabei sei es fern von mir, sie mit theologischen Einzelheiten zu langweilen. Ach ja, die Langeweile, nicht zu vergebende Todsünde auf der Bühne. Gut, Luthers Leben weist – um es in heutigem Jargon zu sagen – eine ganze Menge action auf. Aber das, was uns an ihm wichtig ist, wird nur im Gespräch deutlich. So wird jedes ehrliche Luther-Stück ziemlich leise sein müssen. Man wird es aufs Wort stellen müssen., man wird mehr zu hören als zu sehen bekommen, man ist mehr zum Denken und Nach-Denken gezwungen als zu Reaktionen, die aus der Emotion kommen. Luther ist kein Jan Hus, kein Savonarola, kein Kopernikus, keine heilige Johanna, bei ihm gibt es keinen Ketzerprozess und keine Märtyrerkrone. Einem Luther-Stück fehlen also die Knalleffekte, um es einmal salopp auszudrücken. Hinzu kommt folgende Erschwernis: In unserer Zeit wird, hervorgerufen durch die Medien, das Visuelle so stark betont, dass viele Menschen das Hinhören, das Hineinhorchen verlernt haben. Um ihnen zu helfen, habe ich kaum längere Szenen geschrieben. Wie Schlaglichter, wie schnell aufeinander folgende Einzelbilder ziehen die Szenen am Zuschauer vorbei. Dabei habe ich mich durchaus einiger Formen bedient, die andere vor mir mit Erfolg praktiziert haben: so habe ich manches vom „epischen Theater“ Brechts gelernt und angewandt, so habe ich die filmische Kürze einzelner Szenen übernommen, die wir ja schon von Büchners Theaterstücken kennen. Noch ein Luther-Stück? Ich habe das Gefühl, diese Frage nicht zufriedenstellend beantwortet zu haben. Versuchen wir es noch einmal: Ich wollte ein Stück über Luther schreiben. Und so hab ich’s eben geschrieben. (Karlheinz Komm) Der Fall Luther , Karlheinz Komm

10.11.17   Theatergruppe der Kirchengemeinde   21784 Balje Premiere

28.10.17   Theatergruppe der Ev. Luthergemeinde   65428 Rüsselsheim Premiere

13.10.17   Theater im Zentrum   73061 Ebersbach Premiere

26.09.17   Kleines Theater Bad Godesberg   56564 Neuwied Premiere

24.09.17   Künstlerforum Jever e.V.   26452 Sande Premiere

24.08.17   Kleines Theater Bad Godesberg   53177 Bad Godesberg Premiere

08.07.17   Theatergruppe "Creme Frech" e.V.   82467 Garmisch-Partenkirchen Premiere

10.06.17   Klapperkasten   51069 Köln Premiere

17.03.17   Evangelische Kirchengemeinde   63584 Gründau Premiere

22.11.13   Evangelische Kirchengemeinde   63571 Gelnhausen Premiere

05.10.12   Theater EigenArt   74632 Neuenstein Premiere