Raum ist auf der kleinsten Bühne

Wohnungsnot macht erfinderisch. Und manchmal sogar glücklich. Wie in der neuen, originellen Liebeskomödie, in der sich zwei höchst unterschiedliche Menschen durch widrige Umstände ein Zimmer teilen müssen. – Kleine Besetzung oder Bühnenräume stehen den Großen in nichts nach.

Los geht's mit Ein Zimmer, Küsse, Bad. Die junge Autorin Kathi Schneider stellt damit eine herrlich komische und gefühlvolle Beziehungskomödie vor, in der sich die strukturliebende Claudia und der chaotische Lebenskünstler Lars in der Not ein Zimmer teilen müssen. Claudia ist frisch getrennt und setzt in die gemeinsame Wohnung mit dem Ex keinen Fuß mehr, Lars ein dauerabgebrannter Langzeitstudent, der sich die Miete nicht mehr leisten kann. Das allein wäre schon ausreichend komödiantischer Zündstoff, doch ein Kollege, der scharf auf Claudia ist, und die Kneipenwirtin, bei der Lars nachts jobbt, gießen ihrerseits noch mächtig Öl ins Feuer. Mit nur zwei Damen und zwei Herren und einer einfachen Dekoration zündet diese Komödie garantiert bereits in der kleinsten Hütte.

Um heitere Querelen zwischen Männern und Frauen geht es auch in Was Frauen wirklich wollen vom bewährten Autorenduo Sabine Misiorny und Tom Müller. Franziska hat das Männerchaos in ihrem Leben mehr als satt. Nachdem ihre Mutter ihr ein grauenhaftes Blind Date mit Muttersöhnchen Dieter aufgenötigt hat, ergreift Franziska radikale Maßnahmen. In einer zwerchfellerschütternden Szenenfolge lässt sie vergangene Dates und Beziehungen Revue passieren und kommt zwischen Witzfiguren, Machos und testosterongesteuerten Möchtegern-Hengsten endlich zu dem Schluss, dass sie herausfinden muss, was sie eigentlich will ... Eine hoch unterhaltsame kabarettistische Abrechnung mit dem nie enden wollenden Kampf der Geschlechter, die nun in einer Drei-Personen-Fassung vorliegt. Ein großartiges Kabinettstück für wandlungsfähige Akteure.

Noch kleiner wird die Besetzung in der spitzzüngigen „Dramödie“ Wie steht's, Mata Hari? von Tony Dunham. Die faszinierende, sagenumwobene, weltberühmte Kurtisane und Spionin Mata Hari wird verhört. Sagt sie die Wahrheit über ihre Lebensgeschichte? Ein pointiertes, doppelbödiges Duell beginnt ... Ein Stück, in dem zwei wandelbare Interpreten glänzen und ihrem Publikum einen unvergesslichen Theaterabend liefern können. So geschehen z.B. bei der Uraufführungsproduktion des Kölner Horizont-Theater, bei der die gelungene Mischung aus „Slapstick und Comedy“ und „beklemmenden, dramatischen Momenten“ (Kölner Rundschau) überzeugte.

Ein Darsteller und ein unsichtbarer Sparringpartner reichen aus, um das Publikum mit William Luces vielschichtigem Stück Letzter Vorhang für John Barrymore zu fesseln. Spöttisch, bitter, anrührend und mit lakonischem Witz: Die letzte Probe eines einst gefeierten, nun vom ausschweifenden Leben gezeichneten Stars wird zur Abrechnung mit dem eigenen Scheitern. Ein sehr stimmungsvolles Schauspiel, in dem ein Darsteller brillieren kann, einfühlsam ins Deutsche übersetzt von Felix Borchert.

– 10.06.2018