Der nächste Renner

Die Erwartungshaltung nicht zu enttäuschen und dem Publikum dennoch etwas Neues zu bieten: dieser Spagat gelingt in mustergültiger Weise bei der ersten Premiere des Jahres 2015 im Ohnsorg-Theater.

Das Bühnenbild mag auf den ersten Blick für das traditionsreiche Theater ungewohnt modern anmuten, aber schnell zeigt sich, dass zeitlose Themen im Stadttheater und am Boulevard ebenso funktionieren wie im Volkstheater; jedenfalls dann, wenn so perfekt der richtige Ton getroffen wird wie von dem amerikanischen Autor Donald R. Wilde, dem es so gelingt, das Publikum perfekt zu unterhalten und immer wieder auch zum Nachdenken anzuregen, und er „beschert der Bühne den nächsten Renner“ (Hamburger Abendblatt).

Es trifft immer die anderen – denkt und hofft man, und plötzlich erwischt es einen doch selbst. So geschieht es in der 1992 uraufgeführten Komödie Was dem einen recht ist, die nach erfolgreichen Serien in Düsseldorf, Hannover, Stuttgart, Frankfurt, Winterthur und vielen weiteren Orten in der niederdeutschen Übersetzung von Meike Meiners als Wat den een sien Uul Erstaufführung feiert, und „der Premierenbeifall fällt lang und begeistert aus“ (Die Welt).

Der Protagonistin fliegen jetzt auch in Hamburg die Herzen zu, wenn sie zunächst von ihrem Ehemann, mit dem sie lange verheiratet war, sitzengelassen wird, dann die Liebe eines viel jüngeren Mannes gewinnt und sich den Anfeindungen ihrer eigenen Tochter ausgesetzt sieht, um zum wahrlich guten Schluss ihren eigenen Weg zu gehen. Eine echte Glanzrolle, denn „sie kann alles ausspielen: Die Glückliche und die Verzweifelte, die Liebende, die Verratene und die Entschiedene.“ (NDR1)

Das alles wurde in der Regie von Anatol Preissler mit großer Ernsthaftigkeit auf die Bühne gebracht, „die Inszenierung glänzt mit Charme, witzigen Dialogen und authentischen Darstellern“ (Bild), und so gelingt eine durch und durch glaubhafte Aufführung, bei der der Humor in Form der beiden besten Freundinnen nicht zu kurz kommt: „Mitreißend nimmt das Ensemble in dieser fröhlichen Familiengeschichte überholte Konventionen aufs Korn“ (Hamburger Morgenpost).

– 13.01.2015