Frank Piotraschke

Frank Piotraschke ist gebürtiger Hamburger. Dort hat er auch die Schauspielausbildung absolviert. Schon sein erstes Engagement führte ihn nach München, wo er seitdem wohnt und arbeitet. Seit 2006 hat er auch ins Regiefach gewechselt. Seine Tätigkeit als Autor begann er am Landestheater Dinkelsbühl, wo er von 2003 – 2012 als Hausautor arbeitete. Seither ist er als freier Schriftsteller tätig.

Heiko Dietz hat’s in den letzten Jahren schwer gebeutelt: Sein Kellertheater … und so fort in der Kurfürstenstraße wurde 2017 durch einen Wasserschaden unbespielbar. Dietz musste mit seiner privaten Schauspielschule THETA nach einem neuen Standort suchen. Er fand immer wieder Gastspielbühnen für seine Aufführungen. Und 2019 endlich ein neues festes Quartier: einen Pavillon in Sendling. Dort öffnete das theater … und so fort im November 2019 – und musste vier Monate später wegen Corona schließen. Jetzt wagte Dietz als erster der freien Theatermacher in München eine Premiere unter Corona-Bedingungen. Und hat einen guten Griff gemacht: Die Uraufführung von Frank Piotraschkes Komödie »Die Schmalspur-Gigolos« in der Regie von Petra Wintersteller macht viel Spaß. Trostlos hängt der arbeitslose Thomas (Benjamin Hirt) jeden Abend in der alten Eckkneipe hinter seinem Bier, das ihm der knorrige, dauerschimpfende Wirt Kuddel (Konrad Adams) großzügig anschreibt – wie schon die 80 davor. Dann wirbelt der halbseidene, hyperaktive Stefan (Heiko Dietz) herein, mit einer rettenden Idee: Sein Kumpel Thomas soll Callboy werden. Mit Stefan als Agent, sprich Zuhälter. Er hat einen erfolgreichen Callboy als Coach dabei – Rico (Julian Brodacz) bringt dem Versager die Grundregeln des Gewerbes bei. Vier Männer in einer Kneipe – ungewohnt für eine Boulevardkomödie. Doch Autor Frank Piotraschke schafft eine gute Typen-Mischung, schreibt witzig und pointiert. Er nutzt das Thema käuflicher Sex zur Reflexion über den Umgang von Männern mit Frauen und umgekehrt. Thomas hat Erfolg als Auftragslover. Aber bei der Feier seiner 100. Buchung beschwert er sich, wie ihn manche Kundinnen behandeln: in die Wange kneifen, auf den Po tatschen, in den Schritt greifen, dazu sexistische Sprüche. »Ich bin doch kein Objekt! Um das auszuhalten« … »muss man wohl eine Frau sein«, ergänzt Kuddel lakonisch. Der alternde Wirt hat die witzigsten Pointen: Konrad Adams spielt ihn norddeutsch-trocken, erst als wütenden Grantler, der sich Gäste mit einem Besenstiel vom Leib hält. Als der zunächst unsympathisch arrogante Rico öfter auftaucht und zunehmend liebenswürdiger wird, blüht er leise und ganz differenziert auf. Wintersteller inszeniert sehr zart, wie beide bei Thomas’ Wutrede hinter dem Tresen gemeinsam stumm Papierservietten falten und Rico Kuddel eine rote Papierrose reicht. Liebe ohne Worte. Man sieht Kuddel schmelzen. Neben der Lovestory darf im Boulevard Klamotte nicht fehlen: Im Streit, wer wem sein Geld verdankt, reißen sich Stefan und Thomas die Anzüge vom Leib und flüchten in Unterhosen. Benjamin Hirt überzeugt mit Thomas’ Verwandlung vom Loser zum selbstbestimmten Mann, Heiko Dietz treibt den schmierigen Stefan mit seinem Dauerlachen gelegentlich in die Karikatur. Regisseurin Wintersteller spielt geschickt und komödiantisch mit den Corona-Regeln: Jeder Akteur bedient hektisch den Desinfektionsspender am Kneipeneingang, Kuddel wischt Tresen und Spielautomaten nach jeder Berührung ab, und der Besenstiel taugt auch als Versöhnungsstifter zwischen ausgestreckten Händen. So gewinnt man der Krise Vergnügen ab. Die Schmalspur-Gigolos theater ... und so fort, muenchner-feuilleton.de 06.07.2020

Auch auf der Bühne hinterlässt Corona Spuren. Im vom Bühnenbildner Heinz Konrad naturalistisch gestalteten Wirtshaus-Ambiente fehlen auch die Spender für das Desinfektionsmittel nicht. Und die herrliche Herrenrunde, die das zusammenkommt, hat die Hygienevorschriften so verinnerlicht, dass selbst bei den größten Turbulenzen das Einsprühen der Hände nicht vergessen wird. Das bringt der Inszenierung ein paar Extra-Lacher ein. Gelacht wird viel über „Die Schmalspur-Gigolos“, bei denen Autor Frank Piotraschke eine lupenreine Boulevardklamotte nicht mur mit der Enttäuschung über die längst noch nicht erreichte Gleichberechtigung der Geschlechter verschneidet, sondern auch mit einem flammenden Plädoyer für den Respekt vor dem Gleichgeschlechtlichen. Das könnte ein bisschen viel sein für eine muntere Komödie, aber Petra Winterstellers Regie geht so aufmerksam, liebevoll und doch mit so viel Spaß mit den Schwächen und Lebenslügen der vier Jungs um, dass sich alles ganz geschmeidig zusammenfügt. Auch das Team passt wunderbar: „Undsofort“-Chef Heiko Dietz ist als Gelegenheitslude Stefan in grandioser Komödiantenform. Stefan schickt seinen besten, aber arbeitslosen Freund Thomas (Benjam Hirt) als Callboy auf den Strich. Für die professionelle Beratung ist der junge Rico (Julian Brodacz) zuständig, der Tipps aus der Praxis des „liegenden Gewerbes“ gibt. Kneipenwirt Kuddel (Konrad Adams) herrscht mit väterlicher Strenge über den Tresen, bis im überraschenden Finale alles anders wird für ihn. Die Schmalspur-Gigolos theater ... und so fort, Abendzeitung 03.07.2020

Liebe ist kein Geschäft Das Theater … und so fort im neuen Domizil mit der Uraufführung von „Die Schmalspur-Gigolos“ Nach viel durchaus bewundernswertem Online-Ersatz im Lockdown jetzt endlich zurück ins körperlich reale Theater. Mund-Nasen-Schutz nimmt man dafür gerne in Kauf. Für Heiko Dietz ist es so etwas wie ein doppelter Neustart. Sein lange heimatloses Münchener theater...und so fort hat an der Hinterbärenbadstraße 2 (Sendling-Westpark) in einem frisch herausgeputzten Flachbau eine neue Bleibe gefunden. Und prescht nun in die wiederaufgenommene Live-Saison vor mit der Uraufführung von Frank Piotraschkes Komödie „Die Schmalspur-Gigolos“. Es gibt viel zu lachen, aber auch ganz schön viel Nachdenkliches. Mit ihrem feinem Inszenierungsgespür wusste Petra Wintersteller genau die richtige Waage zu halten. Das Thema? Es geht hier zu einem Teil um existenzielles Überleben, zum anderem um das prekäre Gut von menschlichem Gefühl. Schauplatz ist die Kneipe von Kuddel (Konrad Adams) mit drei Stammgästen: Stefan (Heiko Dietz) bringt Callboy Rico (Julian Brodacz) mit, um seinen arbeitslosen Freund Thomas (Benjamin Hirt) zu eben dieser lukrativen Einnahmequelle zu überreden, mit ihm selbst als Manager. Und? Thomas wirbelt erst mal in einem Angst-gemischten Ablehnungssturm über die Kneipenbretter. Aber mit Tipps zu Anmache und Einfühlung, wird er zum schließlich sehr erfolgreichen Quereinsteiger in das Sex-Business. Man kann nicht umhin, bei Autor Piotraschke eine pädagogische Ader zu erahnen. Thomas hat sich verliebt und das Gigolo-Dasein aufgegeben, in dem er sich letztlich als Objekt empfand. Und zwischen Rico und Witwer Kuddel, der wohl seine Homosexualität verdrängt hatte, ist ebenfalls eine echte Beziehung gewachsen. Ohne Verurteilung des Sexgewerbes ist Piotraschkes Botschaft eindeutig. Seine „heroischen Vier“ bringen sie unterhaltsam rüber: Dietz als Geschaftlhuber Stefan zieht alle Register seiner Schauspielkunst, raumfüllend und mit seiner bekanntlich nicht zu bremsenden Energie. Hirt, den man überzeugend in ernsten Rollen gesehen hat, kann auch diesen komischen Thomas. Brodacz gibt einein sehr feinen, subtil differenzierten Rico. Und Adams, der Senior im Quartett, zeigt, dass man ohne viel „Schauspiel-Wind“ Innenleben zeigen kann. Die Schmalspur-Gigolos theater ... und so fort, Münchner Merkur 18.06.2020

08.07.20   Die Schmalspur-Gigolos   theater ... und so fort   81373 München

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16.06.20   Die Schmalspur-Gigolos   theater ... und so fort   81373 München Premiere