Schuster, bleib bei deinem Leisten …
… Schauspieler, bleib … bei deinem Text? Mitnichten! Aus jahrelanger Praxis entsteht nicht selten die Idee, selbst zu inszenieren oder zu schreiben. Wie gut das funktionieren kann, beweisen Kollegen, die allein oder zu zweit gerade mit neuen Komödien und einem veritablen Thriller Uraufführungen feierten.
Nach ihren erfolgreichen 2-Personen-Komödien (Un)Happy End, Wohnen im Glück und Mordpläne mit Himbeerdame nimmt das Autoren-Duo Teresa Sperling und Stefan Voglhuber 2026 das Publikum in Abenteuer Wildnis mit in ein Survival-Camp: „Die Gäste biegen sich vor Lachen, und das soll auch so bleiben bis zum Schluss … Grandios!“ schreibt der Merkur über die jüngste Produktion der Reimeringer Theatermanufaktur. Aufgebrochen, um das Überleben im Wald zu erlernen, verlieren sie ihre Gruppe und sind plötzlich wirklich auf sich alleine gestellt. Was nach existenzbedrohendem Drama klingt, wird zu einem grandiosen Abend, an dem man lernt, dass es nicht die großen Tiere im Wald sind, vor denen man sich fürchten muss und dass ein elektrischer Wasserkocher ohne Strom nur mäßig hilfreich ist, um ein warmes Gericht zuzubereiten. Zum Glück hat man Streichhölzer dabei, um mithilfe von Räucherstäbchen für eine angenehme Stimmung zu sorgen. Blöd, dass dann keine mehr übrig sind fürs Lagerfeuer …
Kaum dem Wald entronnen, erscheint Teresa Sperling auf der Bühne des Münchner Blutenburgtheaters in Nur die halbe Wahrheit , wo der als Schauspieler, Regisseur und Autor erfolgreiche Frank Piotraschke das Publikum in seinem 5-Personen-Thriller mit in die seelischen Abgründe eines Menschen nimmt, der in seinem Wahn über Leichen geht – dabei meint er es doch eigentlich nur gut … auf seine Weise.
Ein paar hundert Kilometer entfernt feierte derweil das Publikum im Kammertheater Dormagen die Premiere von Er soll so bleiben, wie sie will. Den Anfang ihrer schriftstellerischen Karriere machten Sabine Misiorny und Tom Müller – lange bevor sie hier ihren Traum vom eigenen Theater verwirklichen konnten – mit Zwei wie Bonnie und Clyde, einer Komödie, die sie sich auf den Leib geschrieben hatten und die es über unzählige Stationen an kleinen und großen Theatern sogar auf die schwankenden Bühnenbretter der TUI Cruises-Schiffe und damit auf die sieben Weltmeere schaffte. Weitere Theaterstücke für zwei und mehr Darsteller folgten und mit Pinguinwetter auch die Bühnenfassung des Romans von Britta Sabbag.
Als Schauspieler und Regisseur war auch Jan Schuba aktiv, bevor er als Autor tätig wurde; seine Einrichtung von Camping forever wird in diesem Sommer vom hof-theater.ch auf unterschiedlichsten Spielstätten quer durch die deutschsprachige Schweiz gezeigt, und seine Komödie Der Canasta-Club feiert ebenfalls im Sommer ihre Niederdeutsche Erstaufführung bei den Freilichtspielen Stöckse.
Auf Niederdeutsch wird auch erstmals die Komödie Belle Ivonne von Peter Buchholz gezeigt, der sich als Schauspieler auf unterschiedlichsten Bühnen einen Namen machte und später für Theater und Fernsehen als Regisseur arbeitete. Bei der Schleswiger Speeldeel darf man sich auf komisch-kriminelle Machenschaften und herrliche Typen freuen!
„Kei Muckser, sunscht knallt’s“ heißt ab dem 6. März in Freiburg im Breisgau, wo Rosas Revolver erstmals auf Alemannisch zu erleben sein wird. Den Autor Chris Arnold verschlug es nach Schauspiel-Engagements in ganz Deutschland vor Jahren ins deutsch-schweizerische Grenzgebiet, wo er seitdem als Regisseur und mittlerweile auch als erfolgreicher Autor arbeitet.
Ein weiterer enorm produktiver kreativer Kopf ist Christian Kühn, dessen Werke überall das Publikum begeistern. Sein Tussitrip für drei singende Frauen, das Finale nach Tussipark und Zickenzirkus, feierte jüngst in der Comödie Dresden Uraufführung und wird 2026 neben Karlsruhe und Kiel auch im Theater am Lohmarkt in Rheinbach gezeigt, wo im Lauf des Jahres auch Die Observation von Christoph Steinau und Daniele Nonnis, ihres Zeichens Schauspieler und Regisseure aus Kassel, herauskommen wird.
Eine weitere Komödie von Christian Kühn, (K)ein guter Tausch steht ab März auf dem Spielplan des Bremer Boulevardtheaters, und dort ist mit Kay Kruppa ein Schauspieler/Regisseur/Autor zuhause, dessen nächste Uraufführung Für immer Single! ein weiteres Multitalent auf die Bühne bringt: Florian Battermann, der jüngst mit Jan Bodinus die hinreißende Neuschreibung eines Komödienklassikers verfasste, die unmittelbar vor der Premiere steht: Der Raub der Sabinerinnen – geht schief!, ab 5. März in der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt und auf Tournee.
An diesem Haus landen demnächst auch Babette, Jeanette und Raclette, die drei französischen Flugbegleiterinnen aus Beatles an Bord. Enrique Keil, viele Jahre Schauspieler an Stadt- und Staatstheatern, schuf mit diesem Comedycal sowie mit Spanisch für Anfängerinnen zwei absolute Dauerbrenner.
Zuvor feiert dort Ein Zimmer, Küsse, Bad der Schauspielerin und -dozentin Kathrin Schneider ihre Uraufführung. Wohnungsnot macht erfinderisch. Und manchmal sogar glücklich – wie in dieser originellen Liebeskomödie, in der sich zwei höchst unterschiedliche Menschen eine Wohnung teilen müssen.
Neu in der Liga der spielenden und inszenierenden Autorinnen ist Michèle Connah, von der druckfrisch Haargenau ins Herz vorliegt, während sich ihr Erstling Prosecco für zwei – Ibiza muss warten nach der Wuppertaler Uraufführung nun auch in Düsseldorf zu einem echten Dauerbrenner entwickelt.
Demgegenüber quasi eine alte Häsin ist Sandra Keck, über viele Jahre fest im Ensemble des Ohnsorg Theaters und mittlerweile als Regisseurin sowie zu unserer und zur Freude des Publikums als Autorin unterwegs, wie die drei Frauen in ihrer beswingten Weihnachtsrevue Drei Engel für den Nikolaus, die im Schneegestöber bei einem ausgesprochenen Gringe Station machen müssen. Aber – wen wundert's – es geschieht ein kleines Wunder. Bei der Fritz-Reuter-Bühne natürlich auf Niederdeutsch .
Auch Martina Flügge sorgt schon seit einigen Jahren besonders (aber nicht nur) mit ihren musikalischen Komödien für Furore. In der Tournee ihrer Weiber 2.0 stand gerade noch Oliver Geilhardt auf der Bühne, der für die Regie verantwortlich zeichnete und ebenfalls als Autor arbeitet, wie beispielsweise zusammen mit Florian Battermann in der Neuschreibung von William Shakespeares Die lustigen Weiber von Windsor.
Last not least wären da Christian Kerkhoff und Louise Oppenländer, die seit Jahren ihre künstlerische Heimat in Stein’s Tivoli Rodenbach gefunden haben, wo auch ihre Musical-Komödie Divenflieger - Alles hebt ab herauskam. Wohin sich das Bordpersonal in Gestalt eines Stewards und die drei weiblichen Passagiere mitsamt Publikum auf den Weg machen, ist klar, wenn man sich den Untertitel anschaut: „Die Malle-Diven“ heben im wahrsten Sinne des Wortes ab!
– 09.03.2026